Kolumne: Blogger oder Influencer - Zwischen Identitätskrisen und Prinzipien

14:03:00


Hallo!

Eigentlich sollte man meinen, dass sich mit Ü30 die Identitätskrisen so langsam erledigt haben.
Aber wie ist das mit dem Dasein als Blogger?
Wo will man sich positionieren? Was will man sein?
In den letzten Monaten habe ich mich mehr mit dem Thema Bloggen auseinander gesetzt, als je zuvor und mich damit gleichzeitig in eine Identitätskrise manövriert.

Was will ich eigentlich? Und was soll mein Blog repräsentieren?

Als ich vor fast vier Jahren mit dem Bloggen anfing, hatte ich keine Ahnung von der Materie.
Ich wusste nichts über Layouts, SEO und Reichweitenoptimierung.
Mir ging es lediglich darum, mir selbst eine Plattform zu geben, auf der ich Bilder und Worte schöner und umfangreicher verpacken kann, als auf meiner Facebookseite.

Damals wurde man (so zumindest bilde ich es mir ein) nicht im Internet überhäuft von Posts von Bloggern für Blogger mit einem strikten ABC und Einmaleins für Reichweitenoptimierung und Corporate Design.

Damals setzte ich mich hin, schrieb und veröffentlichte.
Meine Fotos waren grauenhaft ausgeleuchtet, schlecht bis gar nicht bearbeitet und hatten wenig Stil.
Meine Texte waren nicht optimiert, nicht strukturiert, sondern so verfasst, wie die Gedanken es in meine tippenden Finger schafften.

Ich veröffentlichte Fotos von Outfits meiner Tochter, die heute bewusst keine Rolle mehr auf meinem Blog spielt. Ich war eine sogenannte Nähbloggerin.
Zeigte bunte Werke und schrieb dazu, was ich wie gemacht habe. Erfolgreich.

Ich habe das "Nähblogger" - Dasein allerdings längst hinter mir gelassen und zeige nur noch selten Kleidung, dir mir "von der Maschine gehüpft ist".

Ich wollte keine Reichweite mehr durch Linkpartys erzielen, sondern durch Inhalte.

Mein Blog hat sich also in eine völlig neue Richtung entwickelt, neu formiert. Immer und immer wieder. Genauso, wie auch ich mich in den den letzten zwei Jahren so unglaublich entwickelt und mein Leben ordentlich umgekrempelt habe.
Selbstfindung nennt man das wohl.

Mein Blog ist keine Fiktion. Er ist ein Spiegel dessen, was sich in mir regt, wie sich meine Persönlichkeit neu sortiert und entfaltet hat.

Wenn es um meine Persönlichkeit geht, so fühle ich mich angekommen, aber denke ich über mein Blog nach, so habe ich das Gefühl immer wieder aufs Neue das Bewusstsein dafür zu verlieren, was und wohin ich eigentlich möchte.

Damals, als das alles mit dem Bloggen anfing, ging es nicht darum das eigene Blog in kürzester Zeit in eine Geldmaschine zu verwandeln.
Es ging darum Tagebuch zu führen, Meinungen zu vertreten, sein Leben oder schöne Dinge zu präsentieren.
Es ging nicht darum für Google zu schreiben, sich für Koorperationspartner interessant zu machen, Deals abzugreifen und sich in seinen Zahlen mit anderen messen zu können.

Heute scheint alles anders und wer heute einen Blog startet, der macht das ziemlich bewusst und geschätzt in über 80% der Fällen auch mit der Absicht, ein erfolgreiches und gewinnbringendes Blog zu unterhalten.

Heute informiert man sich im Vorfeld genauestens und baut sein Blog gleich zu Beginn nach einem hohen Standard auf.
Anleitungen, käufliche und kostenlose Ebooks zu diesen Themen gibt es zu Hauf. Wer also professionell durchstarten möchte, muss sich also nur durch Pinterest klicken, hilfreiche Blogbeiträge zum Thema Bloggen lesen und den darin enthaltenen Regeln der Blogosphäre folgen, eine professionell gestaltete Website hochziehen, drei bis sechs Social Media Kanäle bedienen und die perfekte About Me - Seite schreiben.

Denkt man.

Genau diese Regeln stürzen mich aber in ein regelmäßiges Tief.

Ich sitze mit verschränkten Armen wie ein bockiges Kind zwischen zwei Stühlen.
Einerseits, ja einerseits möchte ich auch etwas von diesem schönen bunten Kuchen abhaben. Nicht nur einen kleinen Krümel vom Tellerrand. Nein ein großes Stück mit viel Sahne.

Aber will ich mich dafür auch verkaufen?

Will ich mich, nur um ein besonderer, erfolgreicher Teil des Ganzen zu sein wirklich verbiegen, mich kontinuierlich an all die Regeln und Standards halten müssen, die es als erfolgreicher Blogger/Influencer zu befolgen gilt? 

Um mein Blog voran zu treiben, muss ich SEO beachten, mein Blog richtig und ständig vermarkten. 
Ich muss mich selbst vermarkten. 
Ich muss mich zum Produkt machen. 
Um für Kooperationspartner interessant zu sein und als Influencer zu gelten, sollte ich regelmäßig Produkte in die Kamera halten, über sie berichten und beweisen, welchen Einfluss meine Meinung auf die Kaufbereitschaft meiner Leser nimmt.
Gefühlt, müsste ich auf Instagram oder Youtube permanent Unboxings machen, von tollen Dingen, die ich mir geleistet habe oder die man mir zugeschickt hat. 

Ich muss permanent Mehrwert bieten, eine Linie fahren, meine Zielgruppe genauestens analysieren, definieren und anschließend mit hochwertigen, einzigartigen Inhalten versorgen können.

Ich muss, während ich mich dem Strom der Masse beuge und mitschwimme, gleichzeitig extrem individuell bleiben, meine eigene Marke bilden, polarisieren und mich von dem Rest abheben. 

Aber wie hebt man sich vom Rest ab, wenn alle die gleichen Regeln befolgen?

Ich soll vielseitig sein, aber meine Leser nicht mit zu viel Themen- Kauderwelsch überfordern und mich auf wenigen Bereiche beschränken.
Der Leser soll ja genau wissen, was er hier findet, was er von mir erwarten darf und genau daran sollte ich mich dann auch halten.

Wieso darf der Leser eine Erwartungshaltung an mich haben, während ich nicht davon ausgehen darf, dass er für neues offen sein könnte?


Sich ein neues Publikum für seine Themen heranzuziehen ist nicht leicht, wenn man vorher auf ein Thema fixiert war und nach und nach Leser- und Followerzahlen sinken zu sehen kann schmerzhaft sein als Blogger. 
Doch von Zahlen möchte ich mich nicht in meiner Meinung und meiner Themenfindung verunsichern lassen und so halte ich meine persönliche Linie bei, auch wenn dies manchmal schwer fällt und man sich mit Leistungsdruck und Wettbewerbsfähigkeit konfrontiert sieht.

Als ich mich zur Fashionweek bei einem Event akkreditieren wollte, wurde ich abgelehnt, weil ich nicht nachweissen konnte, dass ich 1x pro Woche(!!!) über Beauty oder Fashion schrieb. 

Einmal pro Woche neue Outfits präsentieren, tolle Beautyprodukte bewerben, vorstellen und alles irgendwie bejubeln. 

Ja ich gehe regelmäßig shoppen. 
Ja ich pflege meine Haut und habe ein Sammelsurium an entsprechenden Produkten. 

Aber ich gehöre einfach nicht zu der Sorte Mensch, die alles in die Kamera halten, was sie sich in einem Drogeriemarkt oder teuer online gekauft haben.
Auch finde ich, ein Anrecht auf die Zugehörigkeit einer Blogger-Kategorie sollte nicht an einer bestimmten Anzahl von Beiträgen pro Woche oder Monat gemessen werden.
Aber vielleicht stecke ich meine Ideale dafür auch zu hoch.

Ich möchte nicht zur Marke werden, in dem ich konsequent andere Marken präsentiere, Hashtags optimiere und mein Essen oder meine "daily essentials" auf Bilder instagramtauglich arrangiere.

Ich versuche die einfachen Regeln zu befolgen, mein Blog zu optimieren, optisch auf einem Standard zu halten, der mich manchmal viel zu viel Zeit kostet, die ich nicht habe. 

Ich versuche den Mittelweg zu finden, zwischen den Themen, die mich bewegen, solchen die einen Mehrwert bieten und die irgendwie auch konform gehen mit dem, was ich meine zu sein und zu vertreten. 

Was aber will ich wirklich sein? 
Eine Bloggerin, die mit Herz schreibt, Meinungen äußert, zum Nachdenken annimiert und die sich "back to the roots" wieder auf ihre Inhalte konzentriert und nicht auf irgendwelche Zahlen und Vorgaben? 
Oder will ich Influencerin sein, zur Eigenmarke werden und mich bemühen ständig zu wachsen und attraktiv zu bleiben?

Will ich mithalten können, stetig wachsen und hoffen, dass was für mich abfällt?
Oder kann ich einfach von meinem Ehrgeiz etwas abhaben zu wollen ablassen und mich auf Blogthemen konzentrieren, die nicht oberste Priorität bei Agenturen und Kooperationspartner haben?

Ich möchte weder das Eine abwerten, noch möchte ich dem Anderen mehr Bedeutung zukommen lassen. 

Für mich heißt "Influencer sein" auch nichts schlechtes. Im Gegenteil. Influnencer können sehr viel positives erreichen.
Ich glaube nur, dass man sich ab irgendeinem Punkt entscheiden muss, in welche Richtung man sich, sein Blog oder den Instagramm Account treiben möchte.
Und um sich Influnencer nennen zu können, gehört es nunmal leider dazu, dass man sich ein Stück weit verkauft und selbst zur Marke avanciert.
Daran ist gänzlich nichts falsch, vor allem nicht, wenn man den manchmal sehr schmalen Grad zwischen Authentizität und reiner Werbefigur schafft.

Ich merke immer wieder, dass ich mich hin und her gerissen fühle im Widerspruch, zwischen der unwiderstehlichen Anziehungskraft des "Influencer" Daseins und den damit verbunden Annehmlichkeiten und meiner Überzeugung, dass ich mich genau dafür aber gar nicht so gern den Regeln und Vorstellungen darüber unterwerfen möchte.

Fakt ist, dass ich mich nicht in einer bestimmten Sparte bewegen will, wenn meine eigene Persönlichkeit auch nicht so eingeschränkt ist und mich weit mehr Themen als Mode, Beauty oder Food interessieren.

Der Lifestyle, also das Leben umfasst doch viel mehr als drei Themen und ist von aktuellen Umständen abhängig und so glaube ich, kann eben auch das Blog, das in meinem Falle meine aktuellen Interesse widerspiegelt, sich stetig neu entwickeln, neue Themen finden oder kleine Ausflüge machen.


Ich werde meine Leser nicht mit Produkten, die ich präsentiere locken, aber vielleicht mit meinen Werten, Überzeugungen und Erfahrungen.



Am Ende des Tages ist vielleicht immer noch die Persönlichkeit des Einzelnen entscheidend und nicht der optische Eindruck auf Blog und Social Media. 



Wie geht es dir mit diesem Thema und wo würdest du dich selbst positionieren?
Ich freue mich auf dein Feedback



LIEBST DEINE  FRAU P L




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4 Kommentare

  1. Liebe Aileen,
    einen tollen Text schreibst du... Ich befinde mich noch mitten in der Identitätskrise... Bin ich Nähblogger,Shopbesitzer der Blog und Instagram zu sehr zu Werbezwecken nutzt? Will ich die Leser meines Blogs über die wöchentliche Linkparty oder wegen meines Bloginhalts selbst bekommen? Ich stehe erst am Anfang mich mit den Themen wie Bildbearbeitung oder SEO zu befassen. Bisher ist das auch schlichtweg aus zeitlichen Gründen zu kurz gekommen. Wohin mich mein Weg führt weiß ich noch nicht. Deine Veränderung beobachte ich schon länger, bin ich doch als Leserin deines Nähblogs auf dich gestoßen - und geblieben, wenn auch meist als stille Leserin. :-)
    Liebe Grüße
    Julia

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    1. Liebe Julia,

      danke für dein Feedback und es freut mich, dass du trotz der Veränderung dann auch hier geblieben bist und dich durch meine anderen Themen liest.
      Das freut mich wirklich immer mit am meisten.

      Ich glaube, seinen Blog und Instagram für sich als Werbemittel zu nutzen, ist nicht verkehrt und als Shopbesitzer ja auch eigentlich nur eine logische Schlussfolgerung.

      Ich glaube, dass das bei dir sogar richtig gut funktionieren wird, weil es für deine Leser und somit ja vielleicht auch Kunden, toll ist, wenn sie den Menschen hinter den Produkten kennenlernen können.

      Das steigert das Interesse an der Produkten, Verständnis und am Ende mit Sicherheit auch die Kaufkraft.

      Ich finde, du solltest unbedingt das alles irgendwie auch einfließen lassen, es macht dich ja aus.
      Und wenn es dich sympathisch macht, dann auch deine Produkte!
      Verstehst du, was ich meine?
      Vielleicht magst du mal bei mir auf Pinterest vorbeischauen, da habe ich eine Pinnwand nur zum Thema Bloggen, SEO usw. Da sind auch wirklich viele sehr sinnvolle Inhalte dabei, die ich auch so unterstütze.

      Im Endeffekt obliegt es ja dann GSD auch jeden selbst, was man daraus für sich nutzen kann und möchte.

      Liebste Grüße an dich
      Aileen

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  2. Ich bin auch wie Julia damals durch die Nähbloggerei hier gelandet. Ich habe ebenso wie du das Gefühl, dass ich in meinem feed reader nicht mehr wie früher 99 Prozent diy Näh und food posts habe sondern nur noch 70 Prozent. 30 Prozent sind Optimierungsposts gewichen, die mich verunsichern und gleichzeitig Mega nerven. Ich hab für mich selbst schon vor 4 Jahren entschieden, dass ich nur posts veröffentliche, die zu mir und meinen Blog passen, nämlich Näh und diy posts mit tatsächlichem Inhalt, wie einem neuen genähten Kleidungsstück oder einem Tutorial und habe es bisher auch ganz gut geschafft. Dazu muss man aber auch sagen, dass ich einen Job habe und den Blog nur aus Spaß betreibe und kein Geld damit verdienen muss. Eine Luxussituation also, die man nicht unbedingt vergleichen kann. Ich finde es aber unglaublich schade, dass man nun von allen Seiten zugeballert wird mit: "so bin ich so erfolgreich geworden, das kannst du auch". Da leidet nämlich meiner Meinung nach immer der Inhalt darunter, wenn man plötzlich so viel Zeit in die Reichweite steckt und weniger in die tatsächlichen Inhalte. Man muss nicht jedem Trend hinter her laufen, nur weil es viele Klicks oder Kooperationen bringen könnte, finde ich. Ich habe nun schon viele tolle Blogs in die meiner Meinung nach falsche Richtung abdriften sehen, klicke dort fast jeden Post weg und hoffe es kommt bald wieder etwas sibstnzielleres, so wie früher, als ich mich über jeden neuen Blog in meiner Liste gefreut habe. Ich hoffe sehr, dass sich dieser Trend wieder abschwächt.

    Ich hoffe auch du findest wieder zu dir selbst (und ganz eigennützig, dass es hier bald mal wieder etwas genähtes zu sehen geben wird :))
    So das waren ein paar ziemliche random Gedanken von mir zu dem Thema ;) .
    Liebe Grüße, Nina

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    1. Liebe Nina,

      danke für dein Feedback.
      Bei mir ist das Blog auch nur ein Neben- und nicht mein Haupteinkommen, deshalb bin ich GSD nicht darauf angewiesen und kann mich entscheiden, ob und was ich an Kooperationen machen möchte.
      Und ich gebe dir auch recht, mich nerven die Posts, die am Ende auch alle die selben Regeln enthalten und selbst, wenn man diese befolgt, nicht unbedingt zum Durchbruch führen.

      Ich bin mittlerweile in einigen Bloggergruppen unterwegs und lese da Beiträge, wo
      sich mir die Haare aufstellen, weil ich merke, es sind Texte die einfach nur funktionieren sollen.

      "Sie haben woanders funktioniert, also vielleicht auch bei mir"

      Die sollen provozieren, polarisieren, spiegeln aber so oft nicht den restlichen Blog wieder und dann finde ich es sehr schade.

      So gesehen, bin ich auch bei mir selbst.
      Ich schreibe nur darüber, über was ich auch schreiben und berichten möchte. Nichtsdestotrotz bleibt natürlich unterschwellig immer dieser Wettbewerbsgedanke und der Wunsch besser und größer zu werden.

      Trotzdem möchte ich meine Linie und meine persönlichen Werte dabei aber nie aus dem Auge verlieren.

      Nächste Woche gibt es wieder was genähtes. ;)
      Zumindest, wenn das Wetter mitspielt und ich es schaffe Bilder machen zu lassen.

      Im Herbst nähe ich tatsächlich irgendwie immer recht fleißig hahaha.

      Liebste Grüße
      Aileen

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Ich freue mich auf dein Feedback.
Liebe Grüße Aileen

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