Kolumne: Wenn Lügen zur Gewohnheit wird

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Hallo! 

Es gibt eine Macht in uns, derer wir uns nicht immer in ihrer Vollkommenheit bewusst sind.
Die Macht unserer Worte. Die Macht einen Menschen mit dem, was wir sagen, zu beeinflussen.
Mit ihnen können wir etwas bewegen oder zum totalen Stillstand bringen.
Aus unseren Worten können Liebe und Hass entstehen.

Wir überzeugen nicht nur mit unserem Äußeren, nicht allein durch Taten, umso mehr dafür mit dem was wir sagen.
Es sind die Gespräche mit anderen, die Beziehungen aufbauen, die Freundschaften knüpfen, Arbeitsverhältnisse oder gar Liebe entstehen lassen.

Durch unsere Worte schaffen wir Vertrautheit und lassen tief in uns blicken. Wir erreichen, dass unser Gegenüber sich auf uns einlässt, sich uns öffnet, seine Geheimnisse, Sehnsüchte und Ängste offenbart.

Denken wir an all die wunderbaren Lyrics in Liedern, die uns in ihrer Tiefe aufwühlen, die uns an eigene Erfahrungen erinnern, unsere Emotionen wecken, uns lächeln oder weinen lassen, uns Hoffnung schenken und besondere Momente einfrieren.
Denken wir an Gedichte, die Epochen überdauern und selbst Hunderte Jahre später, nicht in ihrer Wirkung auf uns nachlassen.
Denken wir an Reden und Zitate großer Gelehrter, wie sie uns in Gänsehaut tauchen mit ihren Botschaften und Millionen von Menschen bewegen.

Was aber, wenn Worte nichts als Lügen sind?
Wenn diese Macht missbraucht und wir mit Illusionen überhäuft werden?
Wenn der andere es sich einfach macht und mit einer Lüge vor der Wahrheit flüchtet?
Wenn er glaubt, dass diese eine kleine Lüge niemandem schaden würde? Zumindest nicht ihm selbst?
Was, wenn der andere glaubt, dass die Lüge einfacher zu vertragen wäre als die Wahrheit und er sich deshalb zunehmend mehr und mehr in einem Konstrukt aus Unwahrheiten wiederfindet?
Und was, wenn wir plötzlich aufwachen und merken, dass unsere kleine heile Welt durch Lügen zusammengehalten wird?

Was, wenn die Lügen zur Gewohnheit werden? 


Nicht nur für den der lügt, sondern auch für dich, der du immer belogen wirst.

Wir alle lügen. Jeden Tag.
"Wie geht es dir?" "Gut, danke!" Doch eigentlich geht es dir total beschissen.
"Was machst du gerade" "Ach nichts weiter..." Und du sitzt da, grübelst und versuchst den Mist in deinem Kopf zu sortieren.

Wir lügen im Alltag, weil eine kleine Lüge so oft leichter von den Lippen geht, keine weiteren Nachfragen aufkommen lässt und weil wir uns mit ihnen irgendwie ein bisschen wohler fühlen.
Eine kleine Flunkerei macht uns manchmal attraktiver oder stützt uns über Unsicherheiten hinweg.

Unsere vermeintlich positiven Lügen sind Bestandteil unseres täglichen Lebens.
Wir lügen und wir lassen uns auch gerne belügen.
Wenn wir mit unserem eigenen Leben zu sehr beschäftigt sind, lassen wir uns mit kleinen Alltagslügen besänftigen, fragen nicht weiter und widmen uns wieder uns selbst.
Sehr bequem.

Und obwohl du und ich, wir alle, jeden Tag dieser Versuchung zu flunkern kaum bis gar nicht widerstehen können, verletzen uns die "echten" Lügen.

Die Lügen, die unser ganzes Vertrauen in eine Person in Frage stellen.
Das Vertrauen in uns selbst - in unseren Instinkt.




Kennst du dieses Gefühl der Ohnmacht, die dich ergreift, wenn dir bewusst wird, dass Menschen die du liebst, die dir nahe stehen, denen du dein Vertrauen und deine Aufmerksamkeit geschenkt hast, dich belogen haben?
Nicht einmal....nicht zweimal... sondern wieder und wieder und wieder.

Dieses Gefühl, wenn du begreifst, dass nichts woran du geglaubt hast, mehr Sinn macht, du alles hinterfragst und du dich übertrieben voll und gleichzeitig so unfassbar leer fühlst?

Ich wurde leider schon häufig im großen Stil belogen. Wie wahrscheinlich auch du schon mindestens einmal.
Vom Partner, von Freunden, von einem Familienmitglied oder auf der Arbeit.

Um ehrlich zu sein, habe ich den Eindruck, dass fast mein ganzes 2017 aus Lügnern bestand, denn so oft habe ich diesen Vorschlaghammer - Moment dieses Jahr schon erlebt.

Und mit jedem Mal sitze ich hilflos da, erschlagen von Fassungslosigkeit, Wut und all den Fragen.

Warum?

Warum habe ich die Wahrheit nicht erkannt? Warum glaubtest du, würde ich mit der Wahrheit nicht umgehen können? Warum glaubtest du, könntest mit mir nicht offen reden?
War ich nicht immer für dich da? Habe ich dir nicht immer zugehört, dir vertraut und dich an mich heran gelassen?
Habe ich nicht alles dafür getan, um dir zu zeigen, wie sehr auch du mir vertrauen kannst?
Habe ich dir nicht das Gefühl gegeben, dass ich dich für die Wahrheit nie verurteilen werde?




Immerzu finde ich mich in Gesprächen über Liebe und Beziehungen wieder und jedes Mal werde ich für eine meiner festen Überzeugungen seltsam angesehen.

Ich kann einen Seitensprung verzeihen, nicht aber eine Lüge.


Die Lüge ist kein körperlicher, dafür aber ein seelischer Betrug.
Der Betrug in das Vertrauen, welches dir geschenkt wird.
Der Betrug in die Hoffnungen und Überzeugungen, die man in dich setzt.

Eine Lüge tut nicht nur in der Liebe weh, sondern auch in jeder anderen Beziehung.

Mit einer Lüge zerstörst du nicht nur das Vertrauen in dich, sondern auch das Vertrauen, was der jenige in sich selbst hat.
Mit jeder Lüge lässt du die Hand, die man dir reicht, los und denjenigen auf wackeligen Beinen zurück.
Du hinterlässt Selbstzweifel und Ängste.
Du rüttelst am Verstand des anderen.
Was zurückbleibt, sind all die Fragen.
Was zurückbleibt, ist der Kampf mit sich selbst nach jedem Fall, neuen Mut zu fassen und wieder aufzustehen.



Mit jedem Fall stumpfe ich mehr und mehr ab.
Fast so, als würde es mich gar nicht mehr groß überraschen.
Fast so, als wären all die Lügen, die einzige Realität, die ich wahrnehme.

Mit jedem Aufprall wird meine Schale härter, mein Vertrauen weniger und die Leere in mir wächst.

Mit jedem Mal, wo sich eine vorgegaukelte Wahrheit als Lüge offenbart, sitze ich da, fühle, wie der Hammer mich trifft, fühle den Schmerz in meiner Brust und atme tief ein und aus, in der Hoffnung, mit jedem Atemzug würden sich meine Gedanken ein Stückchen mehr sortieren.

Was früher manchmal Wochen dauerte, bevor es begreiflich wurde, dauert jetzt nur wenige Tage oder gar Stunden.

Bin ich gleichgültiger geworden? Oder ist es der Prozess, der mich abgehärtet hat?

Aus eigenen Fehlern habe ich irgendwann gelernt, dass für mich immer der eine Weg gilt:
Der Weg der Ehrlichkeit!

Für mich gibt es nichts, worüber man nicht reden kann, sei es auch noch so unangenehm, noch so verletzend oder erschütternd.

Der andere Weg, der der Lüge, erscheint uns oft sinnvoller, einfacher und leichter verträglich.
Manchmal glauben wir, wir müssten den Gegenüber vor der Wahrheit schützen, wollen ihn nicht verletzen.
Doch was wir uns da schön reden, ist nichts als Egoismus.

Indem wir uns für die Unwahrheit entscheiden, nehmen wir dem Anderen ganz eigensüchtig eine Entscheidung ab, die eigentlich nicht in unserem Ermessen liegt. Die uns nicht zusteht.
Wir dürfen nicht darüber entscheiden, welche "Wahrheit" ein Mensch besser verträgt.

Wir dürfen nicht darüber entscheiden, ob es dem anderen mit unserer Lüge besser geht.

Denn dem Einzigen, dem es damit besser ergeht, ist uns selbst, indem wir vor dem Unangenehmen flüchten.
Uns vor der Konfrontation verstecken.
Mit einer Lüge schützen wir nur uns selbst, niemals den Anderen.

Es steht uns nicht zu, den Anderen mit Zweifeln zu ersticken und sein Vertrauen gegenüber Menschen immer und immer wieder auf die Probe zu stellen.

Doch das ist es, was wir tun.

Eine Lüge wird niemals leichter zu verdauen sein als die Wahrheit. Sie wird niemals etwas erträglicher machen. Doch dafür wird sie Unsicherheit wachsen lassen.
Deine und meine.

Und wahrscheinlich sind es unsere eigenen Zweifel, eigene Ängste und das eingebüßte Vertrauen durch die Lügen anderer, weshalb wir selbst nicht fähig sind, uns und die anderen mit der Wahrheit zu konfrontieren, weshalb wir versuchen, verlorene Werte mit Lügen zu kompensieren.
Doch belügen wir andere, belügen wir uns selbst.
Und belügen wir uns, begehen wir Verrat an uns selbst.

"Ich kenne das nicht anders, deshalb musst du genauso sein, wie alle anderen."

So oft habe ich überlegt, mir aus purem Selbstschutz ebenfalls dieses Arschloch-behavior anzugewöhnen.
Doch dann erkenne ich, dass ich mir damit nicht helfe, niemand anderem helfe und mich stattdessen nur im Kreis drehe.
Wenn ich glaube, dass nur, weil man meine Hand so oft losgelassen hat, ich eine andere nicht mehr halten könnte, dann habe ich verloren.

Wenn ich glaube, dass ich zu gutmütig, zu naiv und viel zu ehrlich bin, dann habe ich verloren.
Und wenn ich grundlegend alle anderen in eine Schublade stecke, weil ich glaube, keiner wäre mehr ehrlich, auch dann habe ich verloren.

Ich werde nichts daran ändern, dass es sie gibt, die notorischen Lügner.
Die Menschen, die sich hinter einer Lüge verstecken, weil sie selbst unfähig sind, sich mit der Wahrheit zu konfrontieren.
Die Menschen, die den einfachen Weg für sich wählen, andere damit verletzen und keine Verantwortung für ihr Handeln übernehmen, sich dessen oftmals nicht einmal bewusst werden.

Aber wenn ich stattdessen nach jedem Aufprall aufstehe, aus der Erfahrung eine neue Erkenntnis ziehe und mich selbst einmal mehr um Ehrlichkeit bemühe, dann sehe ich Hoffnung.

Dann weiß ich, es gibt Menschen wie mich, so oft gefallen, so oft betrogen und noch immer nicht zu schwach zum Aufstehen......




Was ich mir selbst immer sage:


Lass dich von Lügner nicht unterkriegen, zweifele nie an dir. Niemand trägt die Schuld dafür, dass er belogen wird. Stell dich jeder noch so unangenehmen Wahrheit und baue auf Vertrauen.
Versuche nicht zu hassen, egal wie tief der Schmerz sitzt und versuche es stattdessen mit Verständnis.
Egal wie verletzend die Wahrheit für dich sein mag, begegne ihr mit Dankbarkeit.
Sei dankbar, wenn man ehrlich zu dir ist und bestrafe deinen Gegenüber nicht für die Wahrheit.

Vertrauen kann man nur schenken und ernten, wenn man bereit ist, jede Wahrheit zu akzeptieren. 


Ich freue mich auf deine Erfahrungen und den Austausch zu diesem Thema.

Und weil ich eben über Lieder sprach, die dich bewegen, deine Emotionen und Hoffnungen wecken, findest du hier meine zweite Playlist. 
Musik an, Welt aus und ganz tief durchatmen.





Liebst deine Frau P L



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2 Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen wichtigen Text! Dieses wieder aufstehen und seine eigenen Prinzipien nicht verlieren finde ich so wichtig. Eine Freundin hat sich erst von ihren Freund getrennt, der sie belogen hat und mies behandelt und immer als Vorwand seine Exfrau herangezogen hat, die ihn ja immer schlecht behandelt hat und kontrollieren wollte. Schon klar das sowas Spuren hinterlässt, aber es ist noch lange keine Rechtfertigung andere schlecht zu behandeln. Es waren zwar nur kleine Lügen, aber meine Freundin hat sie durchschaut und so kann man dann ja doch keine glückliche Beziehung aufbauen. Zum Glück ist sie jetzt über ihn hinweg und findet gerade wieder ihren eigenen Weg.
    Dir wünsche ich auch alles gute und viele nette Menschen in der Zukunft die nur das Beste für dich wollen.
    Liebe Grüße
    Susi

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    1. Hallo Susi,

      ja sowas wie im Falle deiner Freundin ist natürlich immer ganz schön hart.
      Leider ist das bei den meisten ja so, dass sie unter alten Sachen nie einen Abschluss finden und das dann permanent in die neuen Geschichten mitschleppen, sodass der neue Partner gar keine Gelegenheit bekommt, ganz objektiv und unvoreingenommen wahrgenommen zu werden.

      Das wird übrigens auch bald ein Thema in einer Kolumne ;)

      Ich danke dir für dein Feedback und schick dir allerliebste Grüße
      Aileen

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Ich freue mich auf dein Feedback.
Liebe Grüße Aileen

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